"Quetschbüll", "Schifferklavier", "Zieharmonika" - nur eine kleine Auswahl an Begriffen, mit denen das Akkordeon benannt wird. Aber was ist das Akkordeon eigentlich?
Das Akkordeon ist ein Blasinstrument und gehört zur Gruppe der Harmonikas. Sie unterteilt sich in Harmonium, Mundharmonika und Handharmonika.
All diesen Instrumenten ist das Prinzip der durchschlagender Metallzungen gleich. Es geht zurück auf das altchinesische "Sheng". Dieses ca. 4700 Jahre alte Instrument besteht aus 17 Bambuspfeifen mit je einem Griffloch auf einer Kalebasse. Wie dieses Prinzip nach Europa gelangte, ist nicht eindeutig zu klären, aber zu Beginn des 17. Jahrhunderts finden sich erste Abbildungen und Beschreibungen in unserem Kulturraum.
Den Grundtyp der heutigen Mundharmonika entwickelte vermutlich 1821 der 16jährige Friedrich Buschmann (1805-1864) in Berlin. Wie später auch die Handharmonikas unterteilen sich die Mundharmonikas in diatonische (verschiedene Töne auf blasen und ziehen) und chromatische Instrumente = Chromonika. Über einen Tonschieber können hierbei alle Töne um Halbtonschritte erhöht werden. War die Mundharmonika in den ersten Jahrzehnten vor allem ein Kinder- bzw. "Arme Leute"-Instrument, so hat sich im 20. Jahrhundert daraus ein Konzertinstrument entwickelt, welches sowohl solistisch als auch im Ensemble und im reinen Mundharmonika-Orchester zum Einsatz kommt.
Das Harmonium (seit 1810) ist ein orgelähnliches Tasten-Windinstrument. Es hat zumeist eine einmanualige Klaviatur und mehrere Zugregister. Die Lautstärke wird über einen Kniehebel beeinflußt. Über zwei Tretschemel werden die Blasebälge mit Luft gefüllt. Zuweilen findet man Harmoniums, welche durch eine dritte Person oder Maschinen zum Klingen gebracht werden. Im kirchlichen Bereich wird das Harmonium oft als Orgelersatz eingesetzt.
Auch die erste Handharmonika geht wohl zurück auf Friedrich Buschmann (1822), wenngleich das erste Patent eines "Accordion" 1829 auf Cyrill Demian in Wien zurückgeht. Im gleichen Jahr entwickelt der englische Physiker Sir Charles Wheatstone die "Konzertina", mit ihrem charakteristischen sechseckigen Gehäuse. Der Deutsche Heinrich Band entwickelte aus diesen kleinen Instrumenten mit geringem Tonumfang das "Bandoneon". Waren bis dahin alle Instrumente diatonisch, so finden sich ab 1850 in Wien die ersten chromatische Instrumente. Vermutlich seit 1870 gibt es das russische "Bajan", eine chromatische Handharmonika mit Knöpfen auf der Diskant und Baßseite. Im 20. Jahrhundert hat sich die Handharmonika aus sehr unterschiedlichen, meist diatonischen Instrumenten, zu den uns heute bekannten Akkordeons entwickelt.
Das Akkordeon ist uns als Knopfgriff- aber vor allem als Piano-Instrument bekannt. Während bei beiden Typen die mit der rechten Hand gespielte Diskantseite (= Manual 1, MI) chromatisch angeordnet ist, finden sich auf der Baßseite unterschiedliche Bautypen. Beim Standardbaß oder MII findet sich die Akkordanordnung im Quart/Quint-System, beim Melodiebaß oder MIII liegt eine chromatische Anordnung der Einzeltonbässe vor. Häufiger als reine MIII-Instrumente findet man Akkordeons mit MII sowie vorgelagertem MIII. Darüber hinaus gibt es Konvertermodelle die zwischen Standardbaß und Melodiebaß umzuschalten sind.
Der Ton entsteht durch freischwingende Durchschlag-Zungen. Die notwendige Luft entsteht durch die Balgführung und wird durch die Kanzellen zu den Zugen geführt.
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